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28.3.07

NoFi: Demolition Man

NoFi:
No Fiction - analog zur Science Fiction, kurz SciFi

Alkohol, Koffein, Kontaktsportarten, Fleisch, scharfe Gewürze, und Sex sind verboten. Von Nikotin ganz zu schweigen.
So stand 's im Plot vom guten alten "Demolition Man".

(Wie das wohl mit virtuellen Kontaktsportarten bzw. virtueller Gewalt aussieht? Wer sich an den Film erinnert, kennt die halbvirtuelle Version, wie dort bzw. dann Sex praktiziert wird. Körperlos zwar, aber dem verdutzten Blick des zeitversetzten (aufgetauten) Cops Spartan aus den 90er Jahren nach nicht weniger vereinnahmend. - Aber die Hoffnung ist trügerisch, eingedenk allein der Grußformel "Sanfte Grüße, was sind ihre Extreme?" zieht bestimmt schon die bloße Erwähnung von Killerspielen eine Strafe von einem Credit wegen Verstoßes gegen das verbale Moralitätsstatut nach sich ...)

"Gesellschaft im Verbotsrausch" titelte nicht etwa 2032 sondern schon 25 Jahre vorher am gestrigen 27.03.2007 ein Leitartikel der WAZ:

"Alles, was gewalttätig, dick, doof oder krank machen könnte, gerät nahezu gleichrangig immer wieder in den Blick der Weltverbesserer."

Die WAZ zu Gefahren und Gründen des Verbotsbooms:

"Einmal davon abgesehen, dass es freudlos ist, Menschen das Leben kurz und klein zu verbieten: Es ist lebensgefährlich. Wenn eine Gesellschaft sich dem Verbotsrausch hingibt, hört sie auf, selbständig zu denken, Verantwortung zu übernehmen und neue Ideen zu entwickeln. [...] Verbote [...] kosten nichts. Wohnt ihnen sogar ein pädagogischer Ansatz inne, verlassen sich Politiker im Kampf um parteipolitische Macht gern auf die gefühlten Mehrheiten des Moments. Komasaufen? Alkoholverbot. Für den Moment fühlt man eine Mehrheit hinter sich."

Als der Film rauskam, emfpand ich ihn ja schon vor bald 15 Jahren als eine köstliche Persiflage auf den Trend zu sanft, soft und bloß nicht irgendwie gesundheitsschädlich. Und ich lächelte und war froh, denn es könnte schlimmer kommen - und siehe, es kommt schlimmer.

(via)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

In diesen Trend passt, dass oft schon nach der ersten Schlägerei eines Kindes eine Klassenkonferenz einberufen wird; die zweite Schlägerei zieht bereits eine Schulkonferenz und einen sogleich institutionalisierten Anti-Gewalt-Tag nach sich. Wobei ich die schöne Szene gewahr wurde, dass unter einem Anti-gewalttätigen Banner zwei Jungs kloppten...

Die dritte Klopperei würde übrigens heute wohl zu einem Schulverweis führen. Ich wäre seinerzeit, in den 1980-er Jahren wohl in eine ziemlich leere Schule gegangen. Aber wo wären die anderen Kinder gewesen?

Der WAZ-Art. hat insofern recht, als wir uns damals schon sehr überlegt haben, bis wir einem was klauten, taten oder sagten... Und damit recht viel Eigenverantwortung in den Pausne übernahmen, statt uns auf Verbote und strafende Autoritäten zu verlassen.

In der Hoffnung, dass Du mich für diese Zeilen nicht schlägst...
aho

aSyNchron hat gesagt…

wüßte nicht, warum ich da gewalttätig werden sollte -
ich hab da mal (ausnahmsweise *lach*) nicht wider den artikel angeschrieben, den ich verlinkt habe, sondern nur eine weitere assoziation dazu verzapft. ich stimme dem gedanken ja zu, dass man sich hinter verboten und regulierungen versteckt, anstelle ein "gesundes" mass an selbstregulation zuzulassen.
mein schlusswort, dass es schlimmer kommt, bezieht sich auch nicht auf den artikel, sondern auf das, was sich seit der fiction von demolition man noch verwirklich hat - wobei ich den film damals schon 'aufdeckend' fand. und heute ist es eben noch viel schlimmer.

Anonym hat gesagt…

In Großbritannien - einem Land mit rund 4,2 Millionen staatlichen und privaten Überwachungskameras - schmiedet das Innenministerium dagegen ganz andere Pläne: Dort sollen Überwachungskameras künftig nicht nur beobachten, sondern auch Gesetzesbrecher direkt ansprechen. Wer seinen Müll auf die Straße wirft, Leute anrempelt, Wände beschmiert oder sich anderweitig daneben benimmt, soll laut und klar aufgefordert werden, umgehend sein Verhalten zu ändern.
von http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,475724,00.html

Mußte dabei irgendwie an Deinen zuvor gelesenen Artikel denken,
Gruß
slack