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1.11.06

Realität vs. Nachrichten

Weitestgehend unerwähnt bleiben dieser Tage Vorkommnisse, auf die ich auch erst nach Zuruf stieß. So geht wohl im mexikanischen Staat Oaxaca (westl. von Chiapas) einiges vor sich - nur was, das ist schwer auszumachen.

Unleugbar bleibt wohl nur, dass es bereits unerfreulich viele Tote gibt. Alles andere scheint Ansichtssache. Allerdings in einem Ausmaß, wie es mir noch eher selten auffiel.

Die Deutsche Welle schreibt von Unruhen, die der mexikanische Präsident beenden ließe, von der "Besetzung der Stadt durch gewerkschaftsnahe Aufwiegler" - gemeint ist damit die Asamblea popular de los pueblos de Oaxaca /APPO, über die Wikipedia zu berichten weiß, dass sie sich "als rein friedliche Bewegung" versteht und interessanter noch: "Die internationalen Medien kommentieren überwiegend neutral bis verständnisvoll. [...] Deutsche Medien übernehmen jedoch überwiegend die Erklärungen der mexikanischen Regierung." Letzteres erklärt vermutlich einiges.
Randbemerkung: Schon allein im Begriff "gewerkschaftsnahe Aufwiegler" schwingt soviel negative Bewertung mit, dass man meint die Bummelstudenten, Sozialschmarotzer, Gutmenschen und wirklichkeitsfernen Spinner einzeln herauszuhören.

Die Tagesschau beschreibt etwas umfassender, eigentlich sogar recht gut, dafür aber so undurchsichtig, dass der interessierte, aber nicht vorbelastete Leser nicht durchsteigt, was da jetzt passiert sein soll. Man beleuchtet immerhin auch ein klein wenig die diffizile Geschichte der Partei PRI, der der Gouverneur von Oaxaca entstamme. In einem wagemutigen Absatz wird sogar die These aufgestellt, dass der Journalist Brad Will von Polizisten in Zivil getötet worden sei, um den Einsatz der Bundespolizei zu erzwingen. Auch der Absatz glänz aber irgendwie mit Verklausulierung und schwerer Verständlichkeit. Leichter verständlich ist da doch die Aussage des sogar namentlich zitierten (als ob das ein Beweis sei) Bewohners der Stadt: "Ich finde das ausgezeichnet, das die Bundespolizei gekommen ist. Das war nötig, hätte schon längst geschehen sollen. Schauen sie doch, die Leute fühlen sich jetzt viel ruhiger", klärt in dem Bericht aber unterm Strich auch nichts.
Zwischenfrage: Wie fühlt man sich ruhiger?

Bewegt man sich von den ausgetretenen Pfaden weg ins selbstgemachte Web mit selbstgemachten Nachrichten - natürlich meine ich zu vorderst Indymedia! Manchmal unsäglich, mitunter unentbehrlich.
Bei Indymedia also haben die Geschehnisse den Kopf der Seite bekommen und es wimmelt von Updates, Bildern, Filmen, Kommentaren, die weiter verlinken etc. pp. Einer der Links führt einen dann zu Chiapas.ch, wo z.B. auch berichtet wird, dass schon der mexikanische Senat den Gouverneur von Oaxaca aufgefordert habe, zurückzutreten. Schade nur, dass der Senat da nicht viel ausrichten kann.

Mit dem Rücktritt von Gouverneur Ruiz haben der Senat und die gewerkschaftsnahen Aufwiegler aka APPO immerhin ein gemeinsames Ziel. Das ändert so ein bißchen das Licht, das auf die APPO fällt.

Wohlgemerkt: Ich habe keine Ahnung von Mexiko und den dortigen Verhältnissen. Ich bin ein wenig geneigt, einer Nachrichtenrichtung zu glauben, da ich meine Erstinfo auch eher aus der Richtung bekommen habe. Alles andere trage ich mir hier grade so mehr oder weniger querbeet zusammen. Je mehr ich aber so bei der unkontrollierten Suche auffinde, desto weniger habe ich noch die (naive) Hoffnung, dass es offizielle Nachrichten geben könne, die eine Situation unter mehreren Blickwinkeln beleuchten.
Spielt ja aber auch eigentlich keine Rolle, da es wohl eh nicht bis in die breiten Medien vordringt.

(Hinter dem Link unten verbirgt sich eine Online-Demo)

Nachschlag: Telepolis schreibt natürlich auch drüber. Hatte ich glatt übersehen ;-)

1 Kommentar:

majo hat gesagt…

Der Mann bei Telepolis für die lateinamerikanischen Themen ist normalerweise Ralf Streck. Hier findest Du seine Artikel bei TP:
Ralf Streck bei Telepolis
und ein Artikel über Oaxaca bereits vom 25.8.06 unter:
Die Lage in Mexiko eskaliert

Ansonsten schreibt er auch viel für die junge Welt und bei Indymedia.
Gruß